|
Fachartikel

Mit einem neuen Konzept will der Wiener Orthopäde
Dr. Paul Köstler Patienten mit Rückenschmerzen rasch und effektiv helfen.
Der "Wirbelsäulenstützpunkt", kurz "WSP", den Köstler vor kurzem in
Wien eröffnet hat, ist der zweite seiner Art in Österreich - der erste
befindet sich in Klagenfurt. Das ärztemagazin sprach aus Anlass der
Eröffnung mit dem Orthopäden über Sinn und Zweck dieser Einrichtung.
ärztemagazin:
Was ist der Wirbelsäulenstützpunkt, und was kann er?
Köstler: Wir
behandeln chronische Wirbelsäulenlpatienten nach einem Trainingskonzept,
das vor zehn Jahren vom deutschen Sportwissenschaftler Dr.Achim Denner
entwickelt wurde. Es beruht auf Studien, in denen bewiesen wurde, dass
mindestens 80% der chronischen Rückenschmerzpatienten eine dekonditionierte
Rückenmuskulatur haben.
ärztemagazin:
Was ist unter einer dekonditionierten Rückenmuskulatur zu verstehen?
Köstler:
Die Dekonditionierung ist das Ergebnis chronischer Wirbelsäulenleiden
und wird durch Kraft,- Balance,- Leistungsfähigkeits- und Koordinationsverlust
der Rückenmuskulatur definiert. Schmerzbedingt, sowie durch Schon -
und Fehlhaltung und unphysiologischen Bewegungsabläufen atrophiert die
Muskulatur, Instabilität und dauerhafte Schäden an kleinen Wirbelgelenken
und Bandscheiben sind die Folge. Der vorhandene Teufelskreis Schmerz
- Fehlhaltung - Muskelatrophie - strukturelle Schäden - Schmerz schließt
sich.
ärztemagazin:
Die Therapie besteht also in einer Rekonditionierung?
Köstler:
Richtig. Bei der Rekonditionierung kommt es auf zwei Faktoren an, einerseits
auf die Kraft, andererseits aber auch auf die richtige Balance der Rückenmuskulatur.
Bei vielen Patienten ist zwar die Kraft erhalten, aber z.B. zwischen
der vorderen und der hinteren Nackenmuskulatur besteht eine enorme Dysbalance.
Das macht Probleme.
ärztemagazin:
Wie geht nun die Behandlung vor sich? Köstler: Eine ärztliche Untersuchung
mit einem aktuellen Röntgenbild wird vorausgesetzt, um höhergradige
Osteoporose, maligne Tumoren aber auch Herz-Kreislauferkrankungen oder
Asthma auszuschließen. Bei der Analyse werden mit Hilfe von High Tech
Geräten - auf denen der Patient übrigens auch später trainiert - genaue
compterunterstützte Messungen der Beweglichkeit und Kraft des Rückens
gemacht, ein muskuläres Profil - ich nenne es gern ein "EKG der Rückenmuskulatur"
. Jedes dieser Geräte misst und trainiert nur eine Muskelgruppe. Das
entstandene Muskelkraftprofil wird nun in einer Referenzdatenbank, die
Daten von 20.000 beschwerdefreien Personen enthält, mit Werten gleichaltriger,
gleichschwerer Personen verglichen. Das Ergebnis ist ein spezifisches
Profil des gesamten Patientenrückens mit allen Störungen schwarz auf
weiss. Der nächste Schritt ist das Training, das entweder aus 10 oder
aus 24 Trainingseinheiten (mit zwei einstündigen Einheiten pro Woche)
besteht, je nach Dekonditionierungsgrad. Nach Abschluss dieses Trainings,
das bis zu 80% Beschwerdelinderung und Reduktion des Medikamentenverbrauches
bewirkt, genügt eine Erhaltungstrainingseinheit alle 7 bis 10 Tage.
ärztemagazin:
Was kostet das Training und für wen kommt es in Frage?
Köstler:
Die Analyse kostet 140.- €, eine Trainingseinheit 35.- €.
Neben funktionellen Beschwerden können auch Patienten mit therapieresistenten
Rückenschmerzen nach Bandscheibenoperationen, nach Unfällen oder Verplattungen
der Wirbelsäule profitieren.
Interview: Dr. Norbert Hasenöhrl
Kontakt: Wirbelsäulenstützpunkt Wien Paniglg.
7, A-1040 Wien Tel.: (01) 503 26 66 www.wsp-wien.at
|