Dr.Paul Köstler
Facharzt für Orthopädie u.orthop.Chirurgie

Der zweite Teil der dreiteiligen Serie über die „Säule des Lebens“ beschreibt die bewegungsärmste Zone des Achsenorgans, die Brustwirbelsäule (BWS). 12 Wirbelkörper sind hauptsächlich für das Vor.-und Rückneigen sowie für die Verbindung zu den Rippen, welche den Brustkorb umschließen, verantwortlich.
So wie die Lenden- ist auch die Brustregion bei chronischen Haltungs-und Überlastungschäden sehr empfindlich. Einzig die klassischen Bandscheibenerkrankungen, wie Vorfall und Vorwölbung sind äußerst selten.

Zu den häufigsten Erkrankungen zählen:

1.Fehlhaltung, muskuläre Störungen
2.Wirbel-und Rippenwirbelgelenksblockierungen

1. Fehlhaltung und muskuläre Schwäche:

Die kräftige Brust und Schultermuskulatur neigt nach langer Fehlbelastung ohne gezielte Ausgleichsbewegungen dazu, aus dem Gleichgewicht zu geraten – sie verkürzt sich. In der Folge wandern die Schultern scheinbar nach vorne und die obere Brustwirbelsäule gibt dem Zug in Richtung Brustbein nach – ein Buckel entsteht, die Muskel schmerzen.

Dies kann, wie gesagt, alleine durch jahrelange Fehlbelastung, aber auch wie bei der Jugenderkrankung „Morbus Scheuermann“ durch Struktur(zer)störung entstehen.
Hierbei handelt es sich um eine meist schmerzlose Wachstumsstörung mit Deformierungen der Wirbelkanten und deutliche Rundrückenbildung mit schmerzhaften Muskelverspannungen. Meist wird „der Scheuermann“ erst im Erwachsenenalter auffällig.

2. Blockierungen der BWS

Blockierungen entstehen dort wo entweder falsche Haltung, Bewegungsmangel oder strukturelle Störungen vorliegen oder -und dies ist eine Besonderheit der BWS – können sie auch durch Organerkrankungen innerer Organe unterstützt werden. Da die Brustwirbelsäule die hintere Begrenzung des Brustkorbs bildet und über ein spezielles Nervennetz mit den inneren Organen verbunden ist, können Erkrankungen eines Organs, z.B. der Lunge Verspannungen der Muskulatur, Schmerzen oder Blockierungen im mittleren BWS Bereich verursachen.

Gelenkig sind die Wirbelkörper mit den Rippen verbunden. Störungen in diesem Bereich sind sehr häufig. Die Rippenwirbelgelenksblockierungen deren Ursachen oft in banalen Bewegungen liegen, äußern sich als plötzlich einschießende spitze, atemabhängige Schmerzen im Schulterblattbereich, oft mit Ausstrahlung in den Nackenbereich. Hinzu kommen massive Muskelverspannungen oft entlang der gesamten Wirbelsäule.

Die Therapie bei BWS Störungen zielt nach differenzierter Abklärung mit Röntgen und Untersuchung bei allen erwähnten Störungen immer auf Haltungskorrektur durch Muskeldehnung und Kräftigung mittels Heilgymnastik und Bewegungstherapie.

Richtig diagnostiziert kann das akute oder jahrelange Leiden unterbrochen und durch gezielte chirotherapeutische und physikalische Behandlung gemildert oder ganz geheilt werden.

Gerade die Vorsorge durch selbst durchgeführte Dehnungsübungen und Ausgleichssport ist für die BWS Region der wichtigste Beitrag zum Erhalt einer stabilen und gesunden Wirbelsäule.