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Nackenschmerz
(Cervikalsyndrom)
Der
Atlas ist nicht nur der Riese, der in der griechischen Sage das Himmelsgewölbe
trägt, sondern auch die medizinische Bezeichnung für den ersten
Halswirbel, den Träger des Kopfes.
Zwei Arterien verlaufen in der Halswirbelsäule (HWS) in engstem
Kontakt zu Halsnerven und Gelenken - in den oberen Wirbelkörpern
sogar in einem Knochenkanal. Sie versorgen so den hinteren Gehirnanteil
mit sauerstoffreichem Blut. In diesem Versorgungsgebiet liegen Steuerungszentren
für unser Gleichgewicht, Sehen, Hören, die Feinmotorik, Teile
der Grobmotorik und vieles mehr.
Wie
entsteht nun eigentlich das Cervikalsyndrom - der
Nackenschmerz ?
Durch falsche Kopf-und Rückenhaltung kommt es (leider immer häufiger
bereits ab dem Schulalter) zu Verspannungen und durch die falsche Benützung
der einzelnen in Fehlhaltung befindlichen Wirbelkörpergelenken
zur Schwächung
der tiefen Nacken / Halsmuskulatur.
Weitere negative Faktoren sind der uns alle betreffende Mangel an ausgleichender
Bewegung. Wir sitzen zu lange und zu viel, und geben unserem "Bewegungsapparat"
zu wenig Gelegenheit sich auf natürlichem Wege zu erholen.
Der Umstand, daß in Österreich bereits 14% der 7-12 jährigen
Schüler gelegentlich Rücken - oder Kopfschmerzen haben, bedarf
dringend einer Änderung! Der Rücken und Halsschmerzproblematik
wird aber meist nur durch medikamentöse Schmerztherapien Einhalt
geboten, zu einer effektiven Abklärung der auslösenden Ursachen
kommt es leider zu selten.
In weiterer Folge kommen Abnützungserscheinungen hinzu: ab dem
30.Lebensjahr beginnen die Bandscheiben Flüssigkeit zu verlieren,
der Zwischenwirbelraum wird schmäler. Durch einseitige statische
Belastungen und stereotype Bewegungen (Schreibtisch, Computer) wird
eine Fehlhaltung der Wirbelsäule und Fehlbelastung der kleinen
Wirbelgelenke ausgelöst. Dabei nicht zu vergessen sind die häufig
verwendeten unergonomischen Kopfpölster und Matratzen auf denen
wir ein Drittel unseres Lebens ruhen; der Kreislauf beginnt:
-
leistungsmindernder Spannungs (Schul)-kopfschmerz
- häufig falsch als "Migräne" fehlgedeuteter
Kopfschmerz
- Schwindel, Ohrgräusche (Tinnitus), Schluckbeschwerden
- Heiserkeit ("Frosch im Hals-Syndrom")
- Konzenrationsstörungen, manchmal dadurch ausgelöste
- Angst und Panikattacken
Der
Zweitschlag
Erleidet eine wie oben beschrieben vorbelastete Halswirbelsäule einen
Zweitschlag (Autounfall, "Verreißen", Verlegen) so kommt
es zum Zervikalsyndrom oder im schlimmeren Fall zum Bandscheibenschaden,
der dann die Nervenwurzel bedrängt.
In beiden Fällen sind röntgenologisch meist bereits fortgeschrittene
Abnützungen erkennbar (Fehlhaltung, Arthrose der Wirbelgelenke, Bandscheibenverschmälerung).
In der auch Details der Weichteile wiedergebenden
MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie)
oder CT
(Computertomographie)Darstellung können Bandscheibenvorfälle,
Vorwölbungen, die Nerven betreffende Wirbelkanaleinengungen und Tumore
sichtbar gemacht werden.
Dieser
erwähnte Zweitschlag, aber auch nur Bagatellereignisse, verursachen
anfänglich fast immer starke Beschwerden, die dennoch zumeist konservativ
behandelt (Tabletten, Ruhe, Massagen, Stromtherapie) nach zwei bis sechs
Wochen abklingen. Im Zustand der Besserung richtet der Körper ab
nun einen "Pseudogesundheitszustand" ein.
Ein
Schmerz wird chronisch
Trotz Fehlhaltung, abgenützter Gelenke und massiver muskulärer
Schwächen, bleibt die HWS in einer Balance, die zwar keine Bewegungen
wie früher zuläst, aber dafür auch nicht stark schmerzt.
Es entsteht das chronische Zervikalsyndrom. Bei weiteren Störungseinflüssen
im Laufe des Lebens wird es immer schwieriger werden die Problemein
den Griff zu bekommen.
Die
vielfältigen Störungen (Kopfschmerz, Ohrgeräusche, Schluckstörungen,
Schwindel,..) hängen mit der anfangs beschriebenen engen Nachbarschaft
von Halsstrukturen zusammen. Sowohl Nerven , als auch Gefäße
liegen den Wirbeln extrem nahe. Jede einzelne Gelenkskapsel (7 Halswirbel,
je zwei Kapseln) ist mit überdurchschnittlich empfindlichen Messfühlern
bestückt. So wird bei jeglicher Art von Störung des Kopf-Nacken-Systems
durch das Gehirn ein "Schutzhartspann" der kräftigen
Nacken / Halsmuskulatur aktiviert. Diese Spannung wiederum drückt
auf Arterien, Nerven und Gelenkkapseln. Von dort wird dieser chronische
Reiz permanent an das Gehirn geleitet, welches zum Schutz noch mehr
Muskelspannung anfordert. Ein Kreislauf beginnt.
Ich
gehe bei diesen Beschreibungen bewusst den Diagnosedetails wie Bandscheibenvorfall
und akutem Zervikalsyndrom aus dem Weg, da ich nur die Zusammenhänge
und die Wichtigkeit von Haltung, gesunder Muskulatur und regelmäßiger
Bewegung aufzeigen will.
Zu
wem soll ich gehen ?
Die Abklärung der HWS Beschwerden erfolgt durch den geschulten
Fach/Arzt mittels Röntgen, Magnetresonanztomographie
(MRT) ,Computertomographie
(CT) und eingehender "be-greifender" Untersuchung
(Manualtherapie=Chirotherapie). Er kann funktionelle Störungen
feststellen und den Patienten auf den bestmöglichen Therapieweg
leiten.
Das 100% Heilungen in fortgeschrittenen Erkrankungstadien nicht mehr
möglich sind, ergibt sich von selbst. Aber sowohl die rechtzeitige
Auffindung von kindlich/jugendlichen Störungen, als auch die Einleitung
einer Therapie bei älteren Patienten ist in einer Zeit, in der
der "Sitzmensch" so stark dominiert, zu der wichtigsten Aufgabe
der konservativen Orthopädie geworden.
Die
Therapiemöglichkeiten
Die Akuttherapie im Schmerzanfall beinhaltet neben orthopädischen
Infiltrationen, Schmerz.-und-Muskelentspannungsmittelgabe,
die Zuweisung zu lindernden Massagen, Wärme und Stromtherapien.
Im chronischen Falle wird der Patient nach der Abklärung zunächst
einer Heilgymnastik zugewiesen. Das Ziel ist die Verbesserung der Funktion,
Kräftigung der Muskulatur, Haltungsänderung und das Erlernen
von Übungen, die auch später von ihm alleine konsequent fortgeführt
werden sollen. Gleichzeitig wird eine genaue Analye von Arbeitsplatz
bis Autositz, von Sitzmöbel bis Kücheneinrichtung und Bett
bis Polsterverwendung begonnen, deren Ziel es ist, eine Ergonomisierung
der täglichen Bewegungsabläufe zu erreichen.
Jeder
Sitzmensch von heute sollte sich bewusst werden, wie wichtig es ist,
durch mehr Ausgleich, kürzeres aber richtiges Sitzen, gute Sitz-und
Schlafmöbel und konsequentes
körperliches Training, die optimalen Vorraussetzungen
zur Erhaltung des bestmöglichen Zustandes seiner Wirbelsäule
und Gelenke zu schaffen.
Diese Aufgabe erfordert Zeit - schließlich waren die Abnützungen
auch nicht von einem Tag auf den anderen da - und kostet Geld (die Krankenkassen
steuern derzeit für eine Einzelheilgymnastikeinheit zwischen 8.-
bis 15.- € bei). Dieser Aufwand sollte es Ihnen aber auf alle Wert
sein um gesund zu bleiben oder es zu werden.
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